| Kapitel 2 - Alexia 1 27. Juli 1981 (Sonnabend) (3 Jahre nach dem letzten Report) "Heute ist ein 10 Jahre altes Mädchen zur Senior-Forscherin des Südpol-Laboratoriums ernannt worden. Ihr Name ist Alexia Ashford." Ich war zu der Zeit 21 Jahre alt und Birkin gerade 19. Das Gerücht über diese Alexia als neue Chefin am Südpol beherrschte die Gespräche unter den Arclay-Forschern, es verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Der Name "Ashford" war legendär unter den älteren Mitarbeitern, die lang genug bei UMBRELLA gewesen waren, um sich an ihn zu erinnern. Wann immer die Forschungsarbeiten an einem toten Punkt angelangt waren, hörte man sie sagen: "Wenn nur Dr. Ashford noch leben würde..." Uns sagte dies damals noch nicht sehr viel. Vermutlich war dieser Dr. Edward Ashford ein großartiger Wissenschaftler des ersten Forschungsteams gewesen, welches das "Founder Virus" erschaffen hatte, und auch Mitbegründer des "T-Virus"-Projektes. Wie dem auch sei, Dr. Ashford war kurz nach der Gründung von UMBRELLA gestorben. 13 Jahre waren seit dem vergangen. Warum erwartete man hier eigentlich so viel von den Ashfords? Tatsache war, dass das Südpol-Labor, welches nach des Dr. Edward Ashfords Tod von seinem Sohn Alexander gegründet worden war, bisher keinerlei Resultate vorzeigen konnte. Somit konnte wohl auch nicht sehr viel von des Doktors Enkelin Alexia erwartet werden. Und dennoch, von diesem Tag an sagten unsere albernen Untergebenen: "Wenn nur Miss Alexia hier wäre!" Es schien, als gäbe es kein Potential für Zukunftsentwicklungen in diesem Labor, solange wir diesen Haufen von Idioten als Mitarbeiter hatten, die Menschen offensichtlich nur nach ihrer Abstammung beurteilten. Diese primitiven Narren konnten niemals die Initiative ergreifen und würden ihr armseliges Leben lang kleine, unbedeutende Forscher bleiben. Ihrer eigenen Meinung nach standen sie bereits mit einem Bein im Grab. Aber ich war anders. Ich konnte die richtigen Entscheidungen treffen. Wenn ich als Chef-Entwickler emotionale Einflüsse hätte zählen lassen, dann hätte sich die Entwicklung des "T-Virus" noch wesentlich mehr verzögert. Um zu Ergebnissen zu kommen, musste jemand gefasst bleiben und unter allen Umständen vernünftige Entscheidungen treffen. Und dieser jemand war ich. Und dann hatte ich plötzlich eine Idee: Der Erfolg unserer Forschung könnte darin liegen, eine vernünftige Verwendung für diese "antiken Gentlemen" zu finden... Da sie sowieso jeden Moment tot umfallen konnten, wären sie nicht von deutlich größerem Nutzen, wenn man sie für ein paar "Experimente" einsetzen würde, bevor sie von ganz allein das Zeitliche segneten? Die Aufgabe des Managements ist es schließlich, alles und jeden für den Erfolg des Projektes heranzuziehen. Aber Birkin wurde über diesen Gedanken sehr ärgerlich... Auch seine Reaktion auf die Alexia-Gerüchte war so rührend. Obwohl er es niemals gesagt hatte, ich wußte, dass es es ihn vor Stolz platzen ließ, mit nur 16 Jahren der jüngste Chef-Entwickler aller Zeiten geworden zu sein. Und Alexia, dieses 10jährige Mädchen im Südpol-Labor, hatte nun seine symbolische Trophäe in nutzlose Stücke zerschlagen. Es muss das erste Mal gewesen sein, dass er sich geschlagen gefühlt hatte. Birkin würde niemals jemanden akzeptieren können, der jünger als er war, einen großen Namen hatte und auch noch weiblich war. Und es war unvorstellbar, dass ER, William Birkin, an einen so weit entfernt gelegenen Ort versetzt werden sollte, wo seit Ewigkeiten keinerlei Erfolge erzielt worden waren! Nach all der Zeit war er immer noch ein Kind... Aber so unreif er auch war, er musste sich zusammennehmen! Über die letzten 3 Jahre hatte unsere Forschung die zweite Stufe erreicht. Zu dieser Zeit erreichte der "T-Virus" die benötigte Stabilität zur Erschaffung von "lebenden Bio-Waffen" - besser bekannt als Zombies. Aber das Virus würde niemals in der Lage sein, das menschliche Genom zu 100 % zu verändern. Es gab zwar Kompatibilitäten zwischen dem Virus und den Genen, doch es hatte einfach niemand die exakt passenden Gene. Etwa 10 % der Menschheit würde mit dem Leben davonkommen, also die Krankheit nicht entwickeln, selbst wenn ein Zombie sie mit dem Virus infizieren würde. Es gab nichts, was wir in dieser Sache tun konnten, egal wie sehr wir es versuchten. Eine Erfolgsquote von 90 % war nachweislich gut genug, um als biologische Waffe tauglich zu sein, doch Spencer schien damit nicht zufrieden zu sein. Unser Boss wollte eine "stand-alone" Waffe, die die gesamte Bevölkerung auslöschen konnte. Nur.... Wozu? Im Grunde genommen liegt der eindeutige Vorteil von biologischen Waffen in den geringen Entwicklungskosten. Doch unsere „lebendige Bio-Waffe“ begann langsam, ziemlich teuer zu werden. Spencer hätte diesen Weg niemals eingeschlagen, wenn er den finanziellen Erfolg gesucht hätte, denn hätte man unsere Ergebnisse zur Nutzung in Verbindung mit herkömmlichen Waffen hergestellt, hätte man anständig Profit machen können. Aber an diesem Punkt weiter und weiter zu forschen, um eine "stand-alone Ausrottungswaffe" zu erschaffen, machte absolut keinen wirtschaftlichen Sinn. Warum ignorierte Spencer weiterhin konsequent die Kosten? War es sein Ziel, die gestammte Kriegsindustrie zu monopolisieren, indem er sämtliche Konzepte der Kriegsführung auf den Kopf stellte? Vielleicht konnte ich ihn dann doch ein wenig verstehen... Ich wusste immer noch nicht, was seine wahren Absichten waren. Unabhängig von Spencers Absichten arbeitete Birkin wie besessen daran, eine „Lebende Bio-Waffe“ mit Schwerpunkt "verbesserte Kampffähigkeiten" zu entwickeln. Er versuchte dies, indem er nicht nur menschliche Gene veränderte sondern zusätzliches Erbgut von anderen Lebewesen hinzufügte. Diese rücksichtslos kämpfenden „Lebenden Bio-Waffen“ würden alle Menschen töten, einschließlich derjenigen, die kugelsichere Westen oder Kampfanzüge für biologische Kriegsführung trugen und auch die Menschen, die dem Tod durch Infektionen entkommen waren. Diese brutalen Kreaturen wurden später als "Hunter" bekannt. Dann mussten diese Experimente für eine Weile auf Eis gelegt werden, um die Versuchspersonen vor Birkin zu schützen. Birkin, den dieser grundlose Hass gegen Alexia quälte, hatte begonnen, sich äußerst eigenartig zu benehmen. Immer wieder arbeitete er ganze Nächte hindurch und wiederholte desorganisierte Experimente, eines nach dem anderen. Ich und meine Leute mussten die Daten so schnell wie irgend möglich sammeln und verzeichnen, bevor uns die Versuchspersonen wegstarben. Doch mit Birkins Geschwindigkeit konnten wir bald einfach nicht mehr mithalten. Der Manager des Labors lieferte unaufhörlich neue Versuchspersonen, als ob das nichts wäre, aber bei Birkins Verschleiß überlebten auch diese nicht lange. Es war die Hölle. Aber "Sie", Lisa Trevor, die erste Versuchsperson überhaupt, überlebte diese Hölle immer und immer wieder... Sie war nun 28 Jahre alt und hatte bereits 14 Jahre ihres Lebens in diesem Labor verbracht. Die unzähligen Injektionen des "Founder Virus" über diese letzen 14 Jahre und deren Auswirkungen konnten jedoch von ihren Gehirnzellen nicht viel übrig gelassen haben. Wenn ihr dennoch auch nur ein Funken klarer Verstand geblieben war, wäre der TOD ihr einziger Wunsch gewesen. Doch sie lebte weiter. Warum war sie die einzige, die dieses Martyrium überleben konnte? Die Experimentaldaten unterschieden sich nicht wesentlich von denen aller anderen Versuchspersonen. Wir würden noch viel Zeit brauchen, um die Antwort auf diese Frage zu finden. |