Kapitel 1 - Das Experiment

31. Juli 1978 (Montag)
Es war der Sommer vor 20 Jahren, und ich war gerade einmal 18 Jahre alt, als ich zum erste Mal hier war.
Ich kann ihn immer noch riechen, den Gestank in der Luft, die von den Rotorblättern des Helikopters herum gewirbelt wurde. Aus der Luft sah das Anwesen ziemlich normal aus, aber am Boden hatte es etwas furchteinflößendes...
William Birkin, zwei Jahre jünger als ich, interessierte sich für nichts als die Forschungsdateien die er ständig las. Erst zwei Tage zuvor waren wir hierher versetzt worden.
Es war derselbe Tag, an dem sie entschieden hatten, das Trainingszentrum zu schließen, zu dem wir gehörten.
Alles könnte von Anfang an so geplant gewesen sein, aber vielleicht war es auch nur purer Zufall.
Nur Spencer kennt die Wahrheit...

Hier, im Arclay-Loboratorium, war Spencers persönliche Basis für die „T-Virus“ Forschung.

Als wir aus dem Helikopter sprangen, sahen wir schon den Manager des Labors am Lift auf uns warten.
Ich kann mich nicht mal mehr an den Namen von dem Typen erinnern.
Sein offizieller Titel war mir auch völlig egal, denn von diesem Tage an gehörte das Labor nur noch Birkin und mir.
Wir hatten die volle Autorität als Chef-Entwickler bekommen.
Das war natürlich Spencers Wille gewesen. Wir waren die Auserwählten.

Wir ignorierten den Labor Manager und betraten den Lift, ich mir am Vortag eine Karte von dem Gebäude besorgt und gut eingeprägt.
Birkin wollte nicht wirklich anstößig sein, dennoch hatte er nie Zeit für andere. Länger als 5 Sekunden mit uns zusammen zu sein, hätte wohl die meisten Leute wütend gemacht. Wie dem auch sei, der Labor-Manager zeigte keinerlei Reaktion.
Als egoistischer junge Mann, der ich damals war, nahm ich keine Notiz von seiner Unterreaktion.
Ich tanzte nach Spencers Pfeife und der Labor-Manager wusste besser als ich Bescheid über dessen Willen und handelte entsprechend.
Als wir im Lift waren, konzentrierte sich Birkin immer noch auf die Papiere. Sie enthielten detaillierte Informationen über Ebola, ein Philovirus, das zwei Jahre zuvor in Afrika entdeckt worden war.
Auch noch heute forschen viele Leute aus aller Welt an Ebola.
Allerdings gibt es zwei völlig verschiedene Gründe dafür.
Die eine Seite forscht an dem Virus, um Menschenleben zu retten während die andere weitaus unheilvollere Gründe habt.

90 % der mit Ebola infizierten Personen sterben. Einmal infiziert, zerstört das Virus die physische Struktur des Körpers in nur 10 Tagen.
Es gibt keine Heilmittel und keine Aussicht auf Besserung. Die Wirkung von Ebola als Biowaffe hätte unvorstellbar schreckliche Folgen.
Natürlich war das Einsetzen von Bio-Waffen schon lange verboten, so dass es illegal gewesen wäre, das Potential des Virus als Bio-Waffe zu testen.
Es ist aber durchaus legal zu erforschen, wie sich das Virus aufhalten lässt, wenn es durch andere als Waffe eingesetzt wird.

Es ist nur ein winzig kleiner Schritt von der einen Perspektive zur anderen - praktisch gesehen gibt es überhaupt keinen Unterschied, da man zuerst erforschen muss, wie man das Virus als Waffe einsetzt um herauszufinden, wie man es dann wieder aufhalten kann.
Das heißt, man behauptet einfach, man forsche an der Vorsorge und Heilung während das wahre Ziel das genaue Gegenteil ist.

Wie dem auch sei, Birkin war weder an dem einen noch an dem anderen Weg interessiert, da dieses Virus zu viele Schwächen besaß.
Erstens: Es stirbt ab, sobald es in Kontakt mit Sonnenlicht kommt und kann daher außerhalb des Körpers nur ein paar Tage überleben.
Zweitens: Das Virus hat nicht genug Zeit, seinen nächsten Wirt zu befallen, da es seinen momentanen Wirt zu schnell tötet.
Drittens: Das Virus wird nur durch Körperflüssigkeiten übertragen und ist somit recht einfach abzuwehren.
Wie auch immer, man bedenke:
Was wäre, wenn die infizierte Person aufstehen und laufen könnte? Und was, wenn diese Person instinktiv den direkten physischen Kontakt mit nicht infizierten Personen suchen würde?

Das Ebola-Gen gehört zu den RNA-Genen. RNA-Gene besitzen die Fähigkeit, menschliche Gene zu mutieren, und was wäre, wenn diese Mutation dem Menschen eine Art "Unsterblichkeit" verleihen würde?
Diese Kreatur wäre eine "Menschliche Biologische Waffe" - im Grunde genommen tot als Mensch, dennoch in der Lage, weitere Menschen zu infizieren, so lange der mutierte Teil noch aktiv ist und ihn am Leben erhält...

Es war pures Glück für uns, dass das Ebola-Virus nicht solche negativen Eigenschaften an den Tag legte.
Somit hatten wir dieses "spezielle Ebola" mit seinen besonderen Eigenschaften für uns ganz allein.

Nun, die Organisation um Spencer arbeitete an der Herstellung dieser lebendigen Waffe...
Offiziell lief sie als pharmazeutische Firma, spezialisiert auf Erforschung und Heilung dieses Virus, aber in Wirklichkeit war es nichts anderes als eine Fabrik zur Produktion von biologischen Waffen.
Die Entdeckung des "Founder Virus", welches Gene modifizieren kann, schien die Geburt des ganzen Projektes gewesen zu sein.
Aber um aus diesem "Founder Virus" tatsächlich eine "Menschlich Biologische Waffe" herzustellen, war es nötig, eine Variante mit zusätzlichen Besonderheiten zu erschaffen.
Das war das "T-Virus-Projekt".

Das "Founder Virus" ist ein RNA-Virus. RNA-Viren sind bekannt für ihre Tendenz zur Mutationen. Dies erlaubt uns, Veränderungen an ihm vorzunehmen und seine Eigenarten zu verstärken.
Birkin fragte sich, ob es möglich war, das Ebola-Gen mit dem mutierten "Founder Virus" zu kombinieren, um dessen Eigenschaften zu verbessern. Die Probe des Ebola-Virus war bereits im Labor angekommen.
Und aus diesem Grunde waren wir nun hier.

Nachdem wir von Lift zu Lift gewechselt hatten, erreichten wir den Hochsicherheitsbereich des Labors.
Und sogar Birkin erhob erstaunt den Blick von seinem Report als wir „Sie“ (Lisa Trevor) zum ersten Mal sahen...

Wir wussten rein gar nichts über sie. Sie war das größte Geheimnis dieses Labors, und ihre Daten hatten dieses Anwesen niemals verlassen.
Die Aufzeichnungen zeigten, dass sie von Anfang an hier war, seit das Institut gegründet wurde.
Sie war jetzt 25 Jahre alt. Niemand hier wusste, wer sie war oder warum sie hier war.
Sie war die menschliche Versuchsperson, an der das T-Virus entwickelt wurde.
Das Experiment hatte am 10. November 1967 begonnen. Sie hatte über 11 Jahre lang die verschiedendsten Viren injiziert bekommen.

Birkin murmelte irgend etwas... War das ein Fluch? Oder ein Gebet?
Wir hatten jedenfalls verstanden, dass es jetzt keinen Weg merh zurück gab.
Wir mussten die Forschungen zu einem erfolgreichen Ende bringen oder wir würden hier genauso verrotten wie dieses verlorene Mädchen. Wir hatten keine Wahl.
Dennoch.... ihr bloßer Anblick - sorgfältig und straff festgezurrt auf einem völlig verdreckten Krankenbett - bewirkte etwas in unserem Gewissen.
War das Teil von Spencers Plan?